Die Musikszene Berlins ist eng mit der städtebaulichen Geschichte der zerbrochenen Stadt  verbunden.Urbane Restflächen und Freiräume, Orte, der Aneignung und des Experiments sind Geburtsstätten neuer Musikrichtungen und Stile.
Ikonische Stätten der Szene sind oft in Gebäuden, die ursprünglich nicht für Musik konzipiert waren und spezielle akustische Charaktere anbieten. Das Besetzen alter Lagerhallen, Fabriken und Kinos – Ausdruck natürlicher städtischer Zwischennutzung – schmiedet so den Sound der Stadt und birgt Identifikationspotential für die vielfältige Subkultur.

Der Fortbestand dieser Orte für Live-Musik und Clubkultur ist zunehmend gefährdet. Anhaltende Verdichtung, wachsendes Verwertungsinteresse, strenge Auflagen der Bauaufsicht und protestierende Nachbarn:innen erhöhen den Druck zunehmend auch auf renommierte und etablierte Institutionen, wie Grießmühle, KitKat und Sage.

Bei der Konzeption neuer Veranstaltungsorte müssen somit neben technischen Fragen vor allem langlebige, hybride Nutzungsformen und Szenarien zur Verankerung dieser Orte in das sozio-politische Gefüge eines Stadtteils im Fokus stehen.
Welche Möglichkeiten haben Architekt:innen, das Spannungsverhältnis von Raum und Musik so zu beeinflußen, dass der Ort eine Persönlichkeit bzw. Identität bekommt? Und wie lässt sich die Atmosphäre eines bestehenden Clubs in einen Neubau übertragen?
Welchen neuen Ort für Musik braucht Berlin?


Wissenschaftlicher Mitarbeiter,
Fachgebiet Entwerfen und Gebäudekunde,  Prof. Jacob van Rijs, TU Berlin